Die Frage nach der angemessen Repräsentation von Gender in Texten ist seit Jahren virulent in politischen, publizistischen und wissenschaftlichen Kontexten. Auch der VFLL (Verband der Lektorinnen und Lektoren) bezieht eine methodische Position zu dieser mitunter kontrovers diskutierten Frage, die nach meiner Auffassung im individuellen Auftrag entschieden wird. Mit anderen Worten: Der*die Kund*in ist König*in, oder aber, der Kunde ist König! Wie in allen anderen stilistischen Fragen entscheidest Du im Zweifel, welche sprachliche Variante gewählt wird.
Es gibt durchaus knifflige Fälle, die nicht immer klar zu entscheiden sind. Ein Beispiel: Schreibt man in geschichtswissenschaftlichen Texten von NS-Propagandist*innen oder Henker*innen zur Zeit der französischen Revolution, inkludiert man sprachsensibel ein Personenspektrum, das für diese historischen Kontexte sicherlich nicht repräsentativ ist – davon abgesehen, dass eine solche sprachliche Variante in einem wissenschaftlichen Text ironiebegabten Leser:innen ein spontanes Schmunzeln entlocken wird, obwohl das nicht beabsichtigt ist. Im Gegensatz dazu bliebe es vermutlich Dein erster und letzter Gastbeitrag für das Sonderthemenheft ‚Sensible Sprache‘ der EMMA, wenn Du in Deinem Text vehement das generische Maskulinum verwendest.
Du siehst: Die richtigen Entscheidungen in einem Text zu treffen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Ich berate Dich mit Freude und immer mit einer Portion Humor in der Textentwicklung, damit Dein Werk nicht der stilistischen Guillotine zum Opfer fällt, sondern als revolutionär gefeiert wird!